My pleasure!
- bertholdfoeger

- 20. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Nov. 2025

"The busiest people you know - presidents, industrial leaders, scientists, doctors, have wide interests, share many hobbies. And the one that is cherished most of all is playing the piano. And good news! You're never too old to learn. Thanks to modern teaching methods. Drop in and let us show you...soon."
So steht es zu lesen auf der Rückseite dieser seltsam ironisch anmutenden Postkarte von Don Preziosi, der eine Menge solcher "Retro"-Postkarten produziert hat. Diese hier stammt wahrscheinlich aus den 1980er Jahren, in denen man sich ja gerne der 1950er-Ästhetik bedient hat. Freilich sollte ein fachkundiger Klavierlehrer diesem äußerst enthusiastisch wirkenden Eleven einschärfen, dass Pianisten immer vor dem eingestrichenen C sitzen sollten. Unser Postkarten-Model scheint hier wonnig versunken in der kleinen und der Kontra-Oktave zugange zu sein, wo die Töne ähnlich tief sind wie die Trance, aus der ihn die freundliche Lady in Red gerade zurückzuholen versucht. Viel Glück dabei!
Auch meine Schüler sind allesamt very busy people, äußerst beschäftigt durchwegs, in den unterschiedlichsten Sparten. In meinem Klavierzimmer tummeln sich (all genders!) Physiker, Ärzte, Lehrer, Stylistinnen, Informationstechnologen, Architekten, Volksschüler, Meteorologen und eine auffällig große Gruppe von Psychotherapeuten und Psychoanalytikern (letztere legen ja großen Wert darauf, keine ersteren zu sein). Was sagt es eigentlich über einen Klavierlehrer aus, wenn er so viele Gemütsspengler ("Seelenklempner" gefällt mir so gar nicht) anzieht?
Die berufliche und menschliche Vielfalt, der ich in meiner Arbeit begegne, bereitet mir jedenfalls große Freude. Einfalt macht mir auch Freude, aber nur in Gestalt einer Bäckerei dieses Namens in meinem Heimatort Aschach an der Donau (wahrscheinlich beste Semmerln und Mohnflesserln der Welt). Auf die Eigenheiten der Schüler einzugehen, ist selbstverständlicher Bestandteil meines Wirkens, berufsspezifische Analogien für pianistische Fragestellungen zu finden, empfinde ich als kreativen Genuss. So etwa lassen sich in Chopin-Préludes durchaus Inversionswetterlagen entdecken oder Borderline-Störungen in der Harmonik des Modern Jazz. Ich lehre und lerne dabei - that's my pleasure.




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